Im Gefolge der SS, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Die museale Darstellung von Täter-Themen wirft ein besonderes Problem auf: In der öffentlichen Meinung scheint immer noch die Ansicht weit verbreitet zu sein, eine Ausstellung könnte ihrem Gegenstand nicht mit der notwendigen kritischen Distanz begegnen.
In der Gedenkstätte Ravensbrück wurde erstmals die SS-Täterseite Gegenstand einer Dauerausstellung und als Ausstellungsort ein authentisches Gebäude inmitten der original erhaltenen SS-Wohnsiedlung des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers gewählt. Der Schauplatz der Ausstellung wird somit selbst zum Exponat.
Gerade deshalb muss durch die Gestaltung die notwendige Distanz, die sonst eine neutrale architektonische Hülle bieten würde, geschaffen werden. Dies gilt umso mehr, als von der Architektur der „Aufseherinnenhäuser“, die man als „eklektizistischen Heimatschutzstil“ bezeichnen könnte, zusätzliche subkutane Identifikaionssignale rund um den Begriff „Behaglichkeit“ ausgehen könnten.
In dem vom Frey Aichele Team realisierten Gestaltungskonzept wird in das Gebäude ein Wandsystem eingebaut, das durch seine abrupten Wendungen und scharfen Kanten die vorhandene Baugestalt und Raumstruktur deutlich sichtbar konterkariert. Durch die Notwendigkeit des häufigen Wechselns der Laufrichtung und den gegebenen Zwang, die Wahrnehmung immer wieder neu zu justieren, kann bei dem Besucher kein Gefühl von „Behaglichkeit“ aufkommen.
Durch die Verlängerung des Wandsystems in den Portikus und die Galerie bis zur Außentreppe wird der Gestus der kritischen Distanz schon von außen am Gebäude sichtbar.




